Orientierungsfragen Jakobsweg

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
Nici
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Nici » 16. Sep 2021, 12:43

Hallo zusammen,

danke nochmal für die ganzen Antworten und für deine Geschichte, die du hier geteilt hast, Matt, hier ein Update meinerseits.

Meine Kollegen und meine Chefin unterstützen mein Vorhaben, sodass ich ab sofort jetzt 3 Wochen freinehmen kann, was echt super ist. 5 Wochen spontan frei nehmen wäre leider eine ziemliche Zumutung für mein Umfeld im Geschäft gewesen, das wollte ich meinen Kollegen nicht aufbürden und ich weiß auch nicht, ob es überhaupt gegangen wäre.

Die entscheidende Frage wäre jetzt, welchen Weg ich gehen soll. Aktuell stehen CF, CP und Via Podiensis von Le-Puy-en-Velay bis Conques oder Rocamadour zur Auswahl. Ich habe oben schon einige Kriterien erwähnt, bin mittlerweile zum Schluss gekommen, dass die folgenden am wichtigsten sind für mich:
- Wegen Corona: Ausreichend Unterkünfte+Verpflegungsmöglichkeiten (könnte ja sein, dass durch Nebensaison und Corona zu wenig Menschen kommen und viele Herbergen am Primitivo geschlossen haben bspw.). Ich würde auch lieber nicht so viel im Voraus buchen, muss ich aber recherchieren, ob das möglich ist.
- Optional: Weggefährten: Ich bin wie gesagt noch nie gepilgert, aber ich stell es mir angenehm vor, wenn man immer mal wieder Weggefährten trifft. Hier wäre auch die Frage, ob bspw. der Primitivo zu dieser Jahreszeit + Corona nahezu leer ist?
- Optional: viel Natur, könnte natürlich konfliktär mit o. s. Punkten sein.

Habt ihr ihr da zufällig aktuelle Infos? Welche Strecke würdet ihr bei 3 Wochen zu dieser Jahreszeit empfehlen?

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Matt Merchant
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Matt Merchant » 16. Sep 2021, 13:04

Lieber Nici,

für Unterkunfts-, Etappen- und in gewisser Weise auch Natur-Fragen bleibt Gronze unübertroffen:
https://www.gronze.com/

Da findest Du alle drei genannten Wege.
Für Rocamadour musst Du auf der Via Podiensis noch zwei Tagesetappen ab Figeac hinzurechnen und wirst dafür mit einer Herr-der-Ringe-Kulisse der Extraklasse zum Abschluss belohnt... [Und in Frankreich raunt man, dass alle Wünsche in Erfüllung gingen, die man dort vor die Schwarze Madonna trägt... ;-) ]
Auch die Natur auf jenem Weg wird Dich flashen. Und unterwegs sind insbesondere zwischen Le Puy und Conques viele Franzosen unterwegs, zumal dieser Weg ein beliebtes Ritual für französische Einsteiger*innen in den Ruhestand ist.
Insofern wäre das mein persönlicher Tipp für Dich!

Um sowohl Via Podiensis als auch Camino Frances von der Landschaft her vorzuschmecken, lohnt sich der heitere Kinofilm 'Saint Jacques - Pilgern auf Französisch'. Das Grüppchen startet ebenfalls in Le Puy und zieht bis Santiago durch. :shock:

Und - ja: Deine KollegInnen und Deine Chefin rocken!! 8-)

Matthias
2007 - Camino Francés
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Shabanna
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Shabanna » 16. Sep 2021, 13:51

... und ich empfehle die Videos von Melanie + Marcel:
https://youtu.be/3tHqDHFEAz4

Die beiden sind grade in Condom auf der Via Podiensis und du bekommst anhand der Vlogs einen wundervollen Eindruck über die aktuelle Situation, Pilgeraufkommen, Unterkünfte, aber natürlich auch über die Natur, den Weg etc.

Außerdem macht's einfach Spaß, den beiden jeden Tag beim Pilgern zuzuschauen ;)

Viele Grüße vom Etzelpass,
Andrea
No creo en casi nada que no salga del corazón.
(Fito Páez)

http://und-die-haare-im-wind.blogspot.com

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Gertrudis
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Gertrudis » 16. Sep 2021, 18:30

Supertricky, ich bin ja auch manchmal am Rüschennähen!
Aber vielleicht hast Du das Video verwechselt, liebe Andrea... ( :arrow: Ausrüstung selber machen :D )

(Oder kommt das nur bei mir?)

Rajasina
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Rajasina » 16. Sep 2021, 18:42

Nein :lol: bei mir ebenfalls
Zuletzt geändert von Rajasina am 17. Sep 2021, 10:52, insgesamt 1-mal geändert.

Shabanna
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Shabanna » 16. Sep 2021, 19:55

Nun stellt euch nicht so an :D

Einfach auf den User klicken! Sie pilgert nicht nur, sie näht halt auch, die Melanie.

Voilà, jetzt dürften keine Klagen mehr kommen:

https://youtube.com/channel/UC9OnT4EWg85pB4Vto6t7_CA

(Sorry, war ne lange Etappe heute ;) )

LG,
Andrea
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(Fito Páez)

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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von donjohannes » 16. Sep 2021, 21:34

Ich werf jetzt nochmal den Franziskusweg (von La Verna - Assisi) als italienische Alternative ein. Ist auch ein Pilgerweg. Kürzer und damit in der verfügbaren Zeit ganz zu machen. Ist von wenigstens von Süddeutschland wesentlich näher. Es gibt Pilger, aber deutlich weniger. Es gibt Unterkünfte, aber solche, die Einzelschlafen (ohne Schnarchen) ermöglichen. Umbrien und die Toskana sind ebenfalls reizvoll auch im Oktober. Als Ziel ist Assisi ggf entspannter als die Großstadt Santiago (und im Oktober schon etwas weniger Touristen, die es freilich auch dort gibt)
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Aktuell: Erde - Himmel (Hindernislauf): begonnen 1978 - Ziel noch in weiter Ferne

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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von M@rio d'Abruzzo » 16. Sep 2021, 23:34

donjohannes hat geschrieben:
16. Sep 2021, 21:34
Ich werf jetzt nochmal den Franziskusweg (von La Verna - Assisi) als italienische Alternative ein. Ist auch ein Pilgerweg. Kürzer und damit in der verfügbaren Zeit ganz zu machen. Ist von wenigstens von Süddeutschland wesentlich näher. Es gibt Pilger, aber deutlich weniger. Es gibt Unterkünfte, aber solche, die Einzelschlafen (ohne Schnarchen) ermöglichen. Umbrien und die Toskana sind ebenfalls reizvoll auch im Oktober. Als Ziel ist Assisi ggf entspannter als die Großstadt Santiago (und im Oktober schon etwas weniger Touristen, die es freilich auch dort gibt)
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Assisi from north 2
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Harinjo » 17. Sep 2021, 07:47

Ui ja - La Verna - Assisi eine wunderbare Strecke. Das hab ich 2018 geschrieben:

Dieses Jahr führte mich meine Pilgerschaft nach Italien. Die Nordroute der Via di Francesco vom Kloster La Verna nach Assisi. Aus der Toskana ging's also nach Umbrien. Die Landschaft ist dort leicht hügelig, dem entsprechend geht der Weg immer wieder auf und ab. Von wenig Asphalt über Schotterpisten, Feldwege, Forstwege bis zu einsamen Steigen war alles dabei. Sehr gut markiert. Die Etappenorte (La Verna, Pieve San Stefano, Sansepolcro, Citerna, Citta di Castello, Pietralunga, Gubbio, Valfabricca, Assisi) sind meist kleine verschlafene Dörfer. Nur in Gubbio und Assisi ist touristisch etwas los.

Eine wunderschöne Strecke im Frühlingserwachen. Viele Abschnitte wild und naturbelassen. Ginster, Goldregen, Mohnblumen, Kornblumen, Glockenblumen, Rosenklee,.... eine richtige Blumenpracht begleiteten uns. Und ebenso waren tausende Schmetterlinge am Weg.

Der Heilige Francesco ist allgegenwärtig und begegnet einem auf jedem Schritt. Santuario della Verna, Eremo di Montecasale, Pieve de Saddi, Santuario della Madonna, Convento Francesco in Gubbio, Abbazia di Vallingegno liegen am Weg und wollen besucht werden. Aber vor allem in Assisi die Basilika, San Rufino, Santa Chiara mit dem Damiano Kreuz, San Damiano und die Basilica di Santa Maria degli Angeli mit der Porziuncola sind alleine schon eine Reise wert.

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Camino Frances 2013, Leonhardsweg 2013, Camino Frances 2014, Camino Portugues 2015, Johannesweg 2015, Camino Frances 2017, Via di Francesco 2018, Josefweg 2019, Camino Portugues 2019

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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Gertrudis » 17. Sep 2021, 11:23

Wenn Du 3 Wochen Zeit hast, wäre die Strecke La Verna - Assisi zu kurz und Du könntest noch ein schönes Stückchen weiter gehen. Sehr schöner Weg, ja! Natur, durchaus einige Höhenmeter, hübsche Städtchen, die Klöster, in denen Spiritualität für mich persönlich noch eher spürbar war als auf dem inzwischen in dieser Hinsicht vielleicht etwas "abgegriffenen" Camino in Spanien...
Mitpilger und die Möglichkeit zum Austausch möglicherweise wenig bis gar nicht.
Und eben auch nicht Santiago als Ziel ;)

Unter "Italien" gibt's hier im Forum einiges dazu zu lesen...

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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von LaCo » 18. Sep 2021, 11:55

Hallo Nici,
ich habe vor kurzem ein Buch geschrieben, das ich ausdrücklich als Mutmacher für Menschen, die den Jakobsweg laufen wollen, bezeichne. Dort findest Du viele Praxistipps für die Durchführung dieses wunderbaren Projektes und erhälst einen guten Einblick in das Pilgerleben :) .
Der Titel lautet: "Jakobsweg - zwischen Faszination und Alltäglichem, zwischen Magie und Realität". Es hat 213 Seiten und kostet als Taschenbuch 7,99 € bzw. als E-Book 5,99 €. Wenn Du Mitglied bei Amazon-Prime bist, kannst Du es dort sogar kostenlos ausleihen. Zu beziehen ist das Buch bei Amazon. Suche dort einfach nach: Bernhard Lakomy, Jakobsweg.

Vielleicht hilft Dir die Lektüre dabei, die für Dich richtige Lösung zu finden.

Ich wünsche Dir dabei jedenfalls viel Erfolg!
Buen camino!
Bernhard

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¡Buen camino!
Bernhard

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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Nici » 18. Sep 2021, 23:20

Hallo zusammen,

hier nochmal ein Update von mir. Die beiden Wege in Frankreich und Italien klingen top, ich war jetzt innerlich schon auf Santiago eingestellt und hatte dazu auch ein bisschen gelesen, sodass ich das jetzt einfach durchgezogen habe. Aber ich behalte die anderen im Hinterkopf für die nächste Gelegenheit.

Ich werde jetzt nach Madrid fliegen, von dort per Bahn nach Burgos fahren und in Etappe 13 des Camino Frances starten. Dann kommen 20 Etappen bis nach Santiago, dort noch einmal übernachten und dann per Flugzeug über Madrid zurück nach Deutschland.

Ich bin schon sehr gespannt auf die Erfahrung und hoffe, dass es mir hilft mit meiner letzten Beziehung abzuschließen, vor allem auch aus der Trauerphase zu kommen, in der ich mir ständig vergebliche Hoffnungen mache, Dinge reparieren zu können, die sich vermutlich nicht mehr reparieren lassen...

3 Wochen sind eine lange Zeit, aber wenn ich es nicht vergesse, werde ich hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung zu meinen Erfahrungen schreiben :D

Ich danke euch allen, dass ihr mir geholfen habt, mich zu diesem Thema zu orientieren und wünsche euch alles Gute!

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Ronald
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Ronald » 19. Sep 2021, 11:45

Aahhh ... die Meseta ... das war für mich die spirituellste Strecke.
Es geht so vieles, wenn man geht. Man muss nur gehen.
Buen Camino
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von M@rio d'Abruzzo » 19. Sep 2021, 18:31

Hi Nici,
Nici hat geschrieben:
18. Sep 2021, 23:20
Ich bin schon sehr gespannt auf die Erfahrung und hoffe, dass es mir hilft mit meiner letzten Beziehung abzuschließen, vor allem auch aus der Trauerphase zu kommen, in der ich mir ständig vergebliche Hoffnungen mache, Dinge reparieren zu können, die sich vermutlich nicht mehr reparieren lassen...
Die Lösung eines Problems merkt man am Verschwinden des Problems, denke ich mal. Also vielleicht nicht daran denken, etwas abzuschließen, sondern dich einfach frei machen für Neues.

Oder so...

:-)

Mario
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Re: Orientierungsfragen Jakobsweg

Beitrag von Matt Merchant » 20. Sep 2021, 08:49

Lieber Nici,

wie es aussieht, hast Du Deinen Weg gefunden;
das ist großartig. Ich wünsche Dir unvergessliche Erfahrungen, (Selbst-)Erkenntnisse und Inspirationen, die Dir helfen, aus den alten Pfaden heraus neue zu finden.

Ein beliebter Startpunkt in Burgos ist der sogenannte 'Cristo de Burgos', ein recht düster und gruselig anmutendes, aber in Spanien hochverehrtes altes Kruzifix. Du findest es in der Kathedrale, im 'Gratisbereich', in einer Kapelle rechts hinterm Hauptportal. Warum ich das schreibe? Nun, dort saß ich auch schon mit gebrochenem Herzen und bin losgelaufen... :-) Grüß den Cristo nach Möglichkeit bitte von Matthias. Er wird sich erinnern.

Und, last but not least: Wenn es Dein Ziel ist, mit Deiner Beziehung abzuschließen, dann möchte ich Dir den Tipp geben, irgendein kleines Ding mitzunehmen, das Eure Partnerschaft symbolisiert hat - und es am Ende in Finisterre oder Muxía dem Atlantik zu übergeben...

Bon Camino, Nici!
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