Primitivo in 7 Tagen?

Der "erste" Jakobsweg von Oviedo in Richtung Santiago
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sw1002
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Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von sw1002 »

Hallo zusammen,
Ich bin neu in dem Forum, auch noch nie nen Camino gelaufen. Ich würde gerne 7 Tage im September auf dem Primitivo laufen. Von der Fitness her bin ich Bergsportler und Triathlet, traue mit also lange und schwere Etappen zu. Ich habe 7 Tage Zeit und würde gerne möglichst einsam und herausfordernd wandern. Ist der Primitivo das richtige Ziel? Und was würdet ihr für einen Abschnitt vorschlagen?
Kann man mehrere Tagesetappen verbinden?
Ich hatte überlegt in Oviedo zu starten und dann nach 7 Tagen nach Santiago von der Strecke mit Bus und co. Zu fahren, sozusagen um das Ziel auch noch zu sehen.
Wenn ihr andere Ideen habt, immer her damit
LG aus dem sonnigen Rheinland
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Anhalter
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Anhalter »

Ich finde es schwierig jemand Fremden vom Fitnesslevel einzuschätzen, Triathlet klingt aber erstmal danach als dass du gut in Form bist. Der Primitivo hat in etwa 315km und 7700hm nach meinem Log. Kann man das in 7 Tagen schaffen? Bestimmt gibt es jemanden der das kann. Ob du dazu zählst musst du dir selbst beantworten. Tendenziell würde ich aber empfehlen etwas tiefer anzusetzen, bis nach Lugo sind es "nur" 215km, von da kommst du gut nach Santiago. Wenn du richtig schnell unterwegs bist, schaffst du vielleicht auch die 260km bis nach Melide in deinem Zeitfenster. Auch da gibt es dann die Option auf öffentliche Verkehrsmittel.
Du kannst deine Routenplanung mal ein bisschen auf dieser Webseite durchspielen: https://godesalco.com/plan/primitivo

Ob dein Wunsch nach Einsamkeit erfüllt wird... ich fand es jetzt nicht sonderlich leer auf dem Primitivo. Wobei man jetzt auch nicht in Menschenmassen unterwegs ist. Aber man begegnet schon mit gewisser Regelmäßigkeit anderen Pilgern. Ich vermute mal das wird im September nicht großartig anders sein.
Joker
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Joker »

Ich sehe es ähnlich wie mein Vorredner....315 km durch 7 sind ca 44km pro Tag. Es geht heftig bergauf, bergab...wenn Du gut trainiert bist, ist es vllt schaffbar.

Zumindest 2019 war die Herbergsdichte bis Melide nicht sehr dicht, man musste die Strecke auch nach den Herbergen planen.

Dann ist die Frage, ob es dann noch Pilgern ist, wenn man so durch die Gegend eilt.

Ich brauchte 10 Tage und fand das schon sehr anspruchsvoll, hatte aber noch genügend Zeit, um Dinge zu genießen.

2019 war der Primitivo leerer als der CF aber definitiv nicht einsam. Die Herbergen waren immer sehr gut belegt.

Auch hier der Rat: plane 10 Tage. Das vereint mE die sportliche Herausforderung und den Genuß des tollen Weges
„Nicht alle, die wandern, sind verloren …“

Gandalf
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Frau Holle
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Frau Holle »

Einsamkeit findest du auf dem Primitivo nicht, eher auf unbekannteren wegen die dem Invoerno.

44km am Tag kann man schaffen, wenn man sehr fit ist, sich gern unter Druck setzt, ungern Zeit an schönen Orten verbringt, ungern länger als 5 Minuten eine schöne Aussicht genießt etc.

Du willst Santiago sehen und ggf den Rest mit dem Bus fahren. Ein schöneres Erlebnis ist es natürlich zu Fuß in Santiago anzukommen. Da würde es dann anbieten, entsprechend dichter am Ziel zu starten.

Hast du ingesamt 9 Tage und 7 ganze Lauftage Zeit oder insgesamt 7 und da müssen An- und Abreise noch mit rein?
u l t r e i a
sw1002
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von sw1002 »

9 Tage hätte ich schon. Reinlaufen wäre natürlich viel schöner
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donjohannes
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von donjohannes »

Die Strecke ist sicher anspruchsvoll in 7 Tagen aber machbar wenn man weite Gehstrecken gewohnt ist (vorher mal zuhause testen). Mein Schnitt auf meinem letzten Weg waren knapp 52 km pro Tag (das über 125 Tage) und ich bin kein Triatlet :-). Ferner hab ich als Priester 2,5kg Zusatzgepäck + in meinem Fall 3 kg Technik für die Aufnahmen. Und auch wenn manche meinen, dass man da dann nichts vom Weg hat, würde ich das Gegenteil behaupten, denn das "Geheimnis" langer Strecken ist nun eben nicht das "Rennen", sondern die Tatsache, dass man von Sonnenaufgang bis Untergang (mit Siesta am Nachmittag) unterwegs ist. D.h. Start um 5.00 Uhr, Ende um 22.00 Uhr. Da kann man 3 Stunden was anschauen und die heißen Stunden im Schatten dösen und hat immer noch 14 Stunden, um im Schnitt etwas mehr als 3 km/h zu machen um auf 44km zu kommen.
Mit diesem "System" hat man in der zweiten Tageshälfte übrigens auch "Einsamkeit", weil jeder "normale" Pilger versucht, am frühen Nachmittag die Unterkunft zu erreichen. Man hat also die letzten 5-7 Stunden des Tages kaum mehr Leute auf dem Weg.
Plus: man erlebt die schönsten Stunden des Lichts (Sonnenaufgang und -untergang) am Weg
Minus: wenn die soziale Komponente (Gemeinschaft mit anderen Pilgern) am Nachmittag und am Abend wichtig ist, dann fällt diese natürlich bei dieser Art, einen Weg zu gehen, weg. Auch muss man sich bei den Unterkünften dann vielleicht auf solche beschränken, die einen späten Checkin ermöglichen. Das erfordert vielleicht mehr Planung im Vorfeld oder ein Zelt.
Hier muss man einfach wissen, was man einem wichtig ist.
Österreich -Santiago 1998
Liechtenstein - Jerusalem und zurück 2013-14 (http://www.4kmh.com/neo)
Triest - Cannes (Via Alpina Sacra) 2018 ( http://www.4kmh.com/vas )
Irland - Italien (Via Columbani) 2022
sw1002
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von sw1002 »

Mein Ziel ist tatsächlich die Einsamkeit. Ich habe ein sehr erfülltes Leben und habe viel in den Alpen gewandert. Was mich am Ende des Tages immer furchtbar genervt hat war die “Geselligkeit” der Hütten. Viele Menschen, viel Alkohol und kaum Stille
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Simsim
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Simsim »

Unter anderem auch deswegen schlafe ich im Zelt.
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Icecube84
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Icecube84 »

sw1002 hat geschrieben: 9. Jun 2024, 21:37 Mein Ziel ist tatsächlich die Einsamkeit. Ich habe ein sehr erfülltes Leben und habe viel in den Alpen gewandert. Was mich am Ende des Tages immer furchtbar genervt hat war die “Geselligkeit” der Hütten. Viele Menschen, viel Alkohol und kaum Stille
Hola, wenn die Einsamkeit für dich wichtig is und Santiago vielleicht nicht soo unbedingt, dann geh vielleicht einen deutschen Pilgerweg.
Auf dem Jakobsweg Mecklenburger Seeplatte haben wir tagelang niemanden getroffen. Da waren wir sehr einsam unterwegs. Landschaftlich auch sehr schön. Wir sind bei den Gemeinden/Kirchen und Pensionen untergekommen. Außer diesen Menschen war da niemand am Wegesrand. Und die Anreise is kürzer, da wäre mehr Zeit auf dem Weg für dich drin. Allerdings ist das komplettes Flachland. Vielleicht wärst du da unterfordert.
Auf der Via Scandinavica oder dem Jakobusweg Lüneburger Heide kann es auch sehr einsam sein...

Buen Camino
Jani
Buen Camino,
Jani

Camino francés / Pilgerweg McPomm / Camino portugués / Jakobusweg Lüneburger Heide / Via Scandinavica
Eifel-Camino
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ilfuchur
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von ilfuchur »

Hm. Sportlich, wie du bist, weißt du deinen Körper sicher wirklich gut einzuschätzen und natürlich kannst du die Strecken, für die andere mehrere Tage brauchen, auch gut zusammenfassen. Auf gronze.com findest du ein Unterkunftsverzeichnis mit den Distanzen dazwischen. Da kannst du dir gut einen Laufplan zusammenstellen.

Nur bitte, sei am Ende nicht enttäuscht, wenn du all das Geschwärme anderer, gerade auch hier im Forum, nicht nachvollziehen kannst. Ich finde es völlig in Ordnung, wenn man einen Weg als Trainingseinheit einbaut, aber das, was für ganz viele hier Camino ausmacht, die Gemeinschaft mit anderen Pilgern, die Ruhe, die eigenen Gedanken zu hören, die Zeit, sich zu reflektieren und vielleicht neu zu sortieren, wirst du auf diese Weise, wie ich fürchte, nicht erleben - vom Glück, das man empfindet, wenn man am Ende vielleicht auf allen Vieren aber aller Erschöpfungszustände zum Trotz in Santiago ankommt ganz zu schweigen.

Was die Einsamkeit angeht, denke ich auch, dass ein anderer Weg wie der Camino de Invierno besser ist. Ich fürchte nur, dass dir da die Berge fehlen (es gibt schon auch Höhen und Tiefen, aber mehr auf gemäßigt mittelgebirgigem Niveau). Vielleicht würde dir die Ruta de la Reconquista oder der Camino de San Salvador von der Bergigkeit besser gefallen (im Kantabrischen Gebirge gibt es noch ganz viele andere Strecken), die auch sicher sehr viel einsamer sind, auf denen du allerdings dann nicht in Santiago "einlaufen" könntest.

Hm.

:arrow: :arrow: :arrow:
Pilger, die beim Gehen manchmal einfach nur Bauch und Füße sind - #Bauchfüßler eben.
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Via2010
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Via2010 »

Ich bringe mal eine Alternative ins Spiel:
Lauf doch den San Salvador von Leon nach Oviedo und dann zur Ankunft in Santiago die Nordroute von Lugo über Friol und Sobrado de los Monxes. Das kommt zeitlich auch hin.
Der Salvador ist bei deinem beschriebenen Fitnesslevel in 4 Lauftagen machbar (normal 6), Lugo nach Santiago auch in der Variante in 3 Tagen.
Ich bin den Salvador 2022 im August gelaufen, wir waren maximal 10 Pilger auf der Strecke, ich die einzige Deutsche. Landschaftlich ist er ähnlich wie der Primitivo, geht sogar noch höher rauf. Und in Oviedo gibt es eine Urkunde, die Salvadoriana.
Von Oviedo nach Lugo sollte mit ÖPNV kein Problem sein.
BC Alexandra
Anne136
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Anne136 »

Die Frage die sich mir stellt ist: wenn man durchschnittlich pro Tag 44km laufen muss: findet man Unterkünfte die in diese Planung passen und falls die öffentlich und nicht privat sind: sind am späten Abend noch Betten frei?
Auf meiner Via Plata traf ich Eduard, er lief täglich ca. 50km. Eine sportliche Leistung und er war sehr schnell unterwegs. Er hat in Santiago keinen Stop gemacht und ist direkt zum Flughafen gelaufen.
Meins wäre es nicht, aber vieles ist möglich.
Anne
Timewalk
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Re: Primitivo in 7 Tagen?

Beitrag von Timewalk »

Grundgütiger. In sieben Tage den Primitivo zu gehen wäre nicht mein Ding.
Vom körperlichen für mich unmöglich.
Sieht ja jeder anders aber das hört sich für mich jetzt so wie ich für mich eine Pilgerreise verstehe nicht nach pilgern an sondern nach voll Stress.
Natürlich macht es jeder wie er gerne möchte. Jeder hat da seine eigene Art und Weise.

Ganz liebe Grüße Daniel

Ich habe übrigens doppelt so lange gebraucht.
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