Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Allgemeine Diskussionen zur Pilgerei und ihrer Geschichte
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Tritta
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von Tritta »

Simsim hat geschrieben: 10. Jul 2024, 08:45
Tritta hat geschrieben: 10. Jul 2024, 08:27
Simsim hat geschrieben: 9. Jul 2024, 11:08 die bewusst ohne Smartphone liefen, wollten alle einfach mal (wieder) ganz ohne Internet leben, für einige Zeit.
Das wird wohl auch die Definition von "abschalten" sein.

Für mich und die meisten meiner Wege kaum machbar. Buche ja oft vor und brauche manchmal den Kontakt unterwegs zu den Gastgebern der Unterkünfte.

Dafür "schalte" ich oft den Alkohol ab. Manchmal monatelang. 😄
Das mit den Unterkünften ist auch rein telefonisch machbar, auch Kontakt unterwegs.
Das mag für manche Caminos stimmen, aber...
ich hasse telefonieren.... :lol: ...und auf manchen meiner Wege habe ich so detaillierte Angaben erhalten wie:
der Wasserkocher darf nur in der Steckdose mit der Zeitschaltuhr....blablabla...nachts darf kein Smartphone geladen werden...blablabla... es befinden sich folgende Rauchmelder in folgenden Räumen...usw.

Das will niemand am Telefon sagen müssen oder hören wollen. :shock: :lol:

Ich glaube ich schweife ab. :D
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FredMario
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von FredMario »

Berta71 hat geschrieben: 8. Jul 2024, 00:51 Jetzt möchte aber meine Bekannte als Pilgerneuling und Handyvermeider und wirklich nur zum tel Nutzer [...] los gehen.
Ich denke es ist sinnlos, jemand, der schon zu Hause als "Handyvermeider" lebt, von den Vorzügen des mobilen Internets unterwegs zu überzeugen. Einfach, weil auch die Erfahrung im Umgang mit dieser aktuellen Technik, Forscher sprechen auch von einer neuen Kulturtechnik, fehlt. Wenn mobiles Internet zu Hause schon nicht beherrscht wird, wie soll es dann unterwegs, während den ständigen Herausforderungen einer Weitwanderung, möglich sein?

Ich persönlich hatte neben meinem Smartphone bis letztes Jahr immer noch einen Laptop dabei gehabt. Das war, außer den täglichen Fotoarbeiten, sehr beruhigend, weil sämtliche Beinahekatastrophen, die ein Weitwanderalltag so bieten kann, damit weit einfacher zu lösen waren, als auf dem Briefmarken-kleinen Smartphone-Display.

Mario
“The real voyage of discovery consists not in seeking new landscapes, but in having new eyes.” - Marcel Proust (À la Recherche du Temps Perdu, Vol. 5, La Prisonnière)
TimCamino
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von TimCamino »

FredMario hat geschrieben: 10. Jul 2024, 11:30
Berta71 hat geschrieben: 8. Jul 2024, 00:51 Jetzt möchte aber meine Bekannte als Pilgerneuling und Handyvermeider und wirklich nur zum tel Nutzer [...] los gehen.
Ich persönlich hatte neben meinem Smartphone bis letztes Jahr immer noch einen Laptop dabei gehabt.
Darf ich fragen, wie schwer das Gerät war? :D
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FredMario
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von FredMario »

TimCamino hat geschrieben: 10. Jul 2024, 12:34 Darf ich fragen, wie schwer das Gerät war? :D
Ein MacBook Air mit etwa 1,3 kg (+ Kabel und Netzgerät). Dieses Jahr hab' ich, nach einer längeren Pause beim Pilgern, auf einen 7kg Rucksack reduziert; dann blieb das Teil zu Hause.

Eigentlich hab' ich mir extra ein iPad Pro zugelegt. Aber die Programme, die ich für meine Website und die abendlichen Fotos gewohnt war, gab es unter iPadOS leider nicht.

Mario

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Edit: 2019 am Giorno di Pasqua in Sizilien. Klappe zu...

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Klappe auf...
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ilfuchur
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von ilfuchur »

Ich bin ein absoluter Nichtskönner auf dem Handy - aber ohne Handy kann ich auch nix und mit Handy darf ich zumindest die Hoffnung haben, dass ich jemanden finde, der was kann - also eben genau das, was ich nicht kann.

Ich finde Handys praktisch, weil man eben ganz viel mit ihnen organisieren kann (Übernachtung). Für mich ist mein Handy absolutes Muss, weil es auch mein Foto ist ... und ich mache immer Fotos, wenn ich außer Puste bin, und weil ich oft außer Puste bin, mache ich viele Fotos. Ich tracke meine Wege und erzähle mir die Sachen, die später für mich wichtig sind (aber das nur, wenn ich alleine bin, weil ich genau weiß, wie gruselig und wirr sich mein Gestammel späterhin anhört). Ich höre meine Musik, wenn ich einen Durchhänger habe oder gerade wirklich gut drauf bin, oder ein Hörbuch, wenn ich nicht mehr mag und genau weiß, dass Nichtmögen mir jetzt gerade mitten in der Pampa auch nicht hilft.

Handy zwischendurch ... ist so eine Geschmacksache, aber nicht nur auf dem Camino. Wenn jemand unablässig auf das Handy stiert, während ich versuche mich mit ihm zu unterhalten, finde ich das verwirrend (aber vielleicht erkenne ich dann auch einfach nicht den Wink mit dem Zaunpfahl, dass der Unterhaltungswunsch doch sehr einseitig ist). Notfalls habe ich auch schon gefragt, ob es dem anderen lieber ist, das Gespräch fortzusetzen, wenn er mehr Ruhe dazu hat. Aber ehrlich gesagt war das nur ein einziges Mal (ich gebe mir jetzt nicht die Blöße zu sagen, dass mein Gegenüber den gleichen Nachnamen trägt wie ich). Umgekehrt mag ich mich und meinen Gegenüber auch nicht durch mein Handy aus dem Thema bringen.

Ach, eigentlich verstehe ich Diskussionen über Handys im Jahr 2024 auch gar nicht mehr so wirklich: Wir sollten doch inzwischen wirklich alle dazu in der Lage sein, mit dem Handy so umzugehen, wie es für jeden einzelnen von uns richtig und anderen gegenüber höflich ist und Mithandysumgeher (auch die Nichtskönner) ebenso höflich zu tolerieren.
Pilger, die beim Gehen manchmal einfach nur Bauch und Füße sind - #Bauchfüßler eben.
Berta71
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von Berta71 »

Danke für eure vielen Meinungen. Besonders einfach weil ich gerne für meine nicht-handy-mögende Bekannte einfach mal hören wollte was so hier dazu gemeint wird. Ich hoffe ihr gute Hilfen geben zu können, wenn sie sich auf den Weg machen möchte
Römer 8, 38-39 🙏👑
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von Frau Holle »

Der Offtopicstrang wurde wie gewünscht abgetrennt und ist jetzt hier zu finden 😊
u l t r e i a
Gerhard Nikolaus
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von Gerhard Nikolaus »

Natürlich kann man ohne Smartphone auf den Camino gehen. In den Zeiten um die Jahrtausendwende, als Handys nur mobile Telefone waren, sind die Pilger ja auch in Santiago angekommen.
Seither haben sich die Kommunikationswege aber radikal geändert bzw. erweitert und auch die Erwartung des Gegenübers, dass diese benutzt werden (Buchungen usw.). Weiter oben wurde geschrieben, eine Flugbuchung könne man sich auch ausdrucken. Ja, für die Buchung selbst müsste ich dann aber wieder einen Internet Zugang haben usw. usw. Oder ich verbringe Zeit in einem Reisebüro.

Was ich sagen will ist, daß ein Smartphone unterwegs vieles einfacher macht. Es kommt halt darauf an, ob man es als Tool oder zum Zeitvertreib nutzt. Da mag im letzteren Fall ein Detox diesen Menschen gut tun. Romantisieren würde ich diesen fast schon therapeutischen Verzicht nicht.
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Flipper
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Re: Ohne modernes Smartphone /WhatsApp am camino

Beitrag von Flipper »

Ein Gedanke, den ich dazu habe:

Im Alltag führen viele Dinge, die uns eigentlich aufgrund von Zeitersparnis entspannen und das Leben leichter machen sollten, zu gleichem oder mehr Stress, weil sie auch die Erwartungen erhöhen - egal ob das gesellschaftliche Erwartungen sind oder unsere eigenen an uns selbst.

Ich hab mal gelesen "Jetzt haben wir schon die Mikrowelle und brauchen statt 20 Minuten am Herd nur zwei Minuten mit dem Gerät, und sind dann trotzdem so ungeduldig, das Essen fünf Sekunden vor Ende heraus zu nehmen".

Und wenn man sich eine richtig ruhige, entspannte Zeit vorstellt, dann ja meist eher eine abgeschiedene Hütte irgendwo ohne die ganze Technik, und nicht einen Rahmen mit Auto, Waschmaschine, Telefon und Heißluftfritteuse, obwohl da eigentlich alles schneller ginge und wir mehr Zeit zu lesen hätten.

Und ich denke, da findet auf dem Camino sowieso ein Bruch statt. Im Alltag wird von mir oft erwartet, erreichbar zu sein, Dinge zu erledigen, Sachen zu schaffen und die to do Liste ist gefühlt unendlich. Lesen, Meditieren, spazieren findet immer statt _obwohl_ noch was zu erledigen ist.

Jede Zeit, die ich dank Smartphone einspare, ist automatisch schon verplant. Jede Zeit, die ich sinnlos verspiele (womöglich um der drohenden to do Liste noch kurz zu entkommen) fehlt dann direkt für meine Produktivität.

Auf dem Camino war das für mich ganz anders. Erstens war da keine fiese Liste von "ich muss ja noch" und "ich sollte endlich mal" und ich hatte viel weniger den Impuls, mich abzulenken und aus dem aktuellen Moment zu entkommen.

Und gleichzeitig konnte ich jede gesparte Zeit direkt entspannt genießen. Unterkunft für den Abend fix online recherchiert und per WhatsApp gebucht? Super, Zeit, die Pause entspannt zu genießen und dann gut gelaunt weiter zu gehen.

Im Alltag zu Hause hätte das schnelle erledigen dieser Aufgabe nur dazu geführt, dass ich sofort die nächste vor der Nase habe.

Während ich also gut verstehen kann, dass ein (weitgehender) Verzicht aufs Smartphone helfen kann, ungesunde oder unangenehme gelernte Automatismen los zu werden, glaube ich dass es gerade auf dem Camino nicht so wichtig ist (wie es im Alltag wäre). Da sind wir sowieso der Umstände wegen schon sehr viel präsenter im aktuellen Moment und können bewusster entscheiden und Freiräume und Bequemlichkeiten aktiv nutzen und wertschätzen.
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