Sehnsucht nach dem Camino Frances

Von St. Jean Pied de Port auf dem navarrischen oder vom Somportpass auf dem aragonischen Weg nach Santiago
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Camineiro
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Re: Sehnsucht nach dem Camino Frances

Beitrag von Camineiro »

Anhalter hat geschrieben: 23. Sep 2025, 11:09 Such mit dem Zug mal nach Verbindungen "nur" bis San Sebastian / Donostia... die Umsteigeverbindung nach Irun scheint das Problem zu sein, aber SanSe nach Irun mit dem Regionalzug oder Bus müsste eigentlich immer möglich sein.
Bei Fahrten mit dem Euskotren muss man in San Sebastian umsteigen.
Ist aber kein Problem: der Schmalspurbahnhof Amara ist klein (5 oder 6 Gleise).
Man steigt aus dem ankommenden Zug aus und geht ein paar Meter weiter zum wartenden Zug nach Irun.

Der Vorteil einer Fahrt mit Euskotren liegt darin, dass man nicht von Irun zu Fuß nach Hendaye laufen muss.
Euskotren fährt durch bis Hendaye und hält schräg gegenüber des SNCF-Bahnhofs (50 Meter Fußweg).
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Gertrudis
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Re: Sehnsucht nach dem Camino Frances

Beitrag von Gertrudis »

Dann wirst Du in einem schönen Ort übernachten... San Sebastian 🤩 oder Bayonne?
Wie auch immer, hier hab ich mal den Winterfahrplan von Euskotren:
https://www.euskotren.eus/sites/default ... 5-ok_1.pdf
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tsetse
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Re: Sehnsucht nach dem Camino Frances

Beitrag von tsetse »

Liebe Leute,

Alfred hat mich vorhin gefragt, ob ich eigentlich wieder zu Hause bin – ja, klar, bin ich 😊, und ich möchte mich etwas verspätet gerne bei euch allen zurückmelden!

Letztendlich habe ich mein Zugticket für die Rückfahrt storniert und bin von Leon aus mit dem Flixbus nach Hause gefahren. Sooo schrecklich wie befürchtet war das gar nicht.

Und habe ich immer noch Camino-Sehnsucht? Nein, und ich werde vorerst auch nicht nach Santiago weitergehen.
Der Weg von St. Jean bis Leon war so unbeschreiblich, ich bin mehr als satt von all den Erlebnissen und Erfahrungen. Es gab so vieles zum Staunen, ich fühlte so viel Demut und Dankbarkeit - es war überwältigend.

Von den Etappenlängen, Herbergen oder Kosten werde ich nicht berichten, denn das Messbare ist eh ohne Bedeutung. Und für das andere finde ich keine Worte…

Ein bissl was will trotzdem erzählt sein:
Die Schönheit der Landschaft hat mich umgehauen. Die sanften Hügel, einer hinter dem anderen, mit der unglaublichen Anzahl von Gelb- und Brauntönen und ein bissl grün dazwischen war zum Niederknien. Und es nahm kein Ende, hinter jeder Kurve, jeder Steigung war es noch atemberaubender. Ich frag mich, wo ich 2014 meine Augen hatte, warum ich das damals nicht gesehen habe?

Von einer scheinbar kleinen, für mich allerdings entscheidenden Erkenntnis möchte ich euch kurz berichten: ich habe in den letzten 5, 6 Jahren den Familienstand, den Wohnort und den Beruf gewechselt. Zu Beginn des Weges habe ich in den Gesprächen mit Mitpilgern immer weit ausgeholt und lange erzählt, was war. Nach wenigen Tagen hat mich das gestört, ich habe damit aufgehört. Denn:
Nicht das, was war ist wichtig, sondern das, was ist, und vor allem das, was kommt.
Mein unbewusstes innerliches Hadern mit den Veränderungen ist vorbei, ich fühle mich jetzt bereit für die weiteren Überraschungen des Lebens.

Und ein Erlebnis: kurz hinter Burgos habe ich mich zur Pause auf meinen Rucksack gesetzt, und dabei ist meine Muschel zerbrochen. Meine geliebte Agnes, die ich 2012 in Aumont-Aubrac gekauft hatte und die mich seither so viele tausende von Kilometern treu begleitet hatte! Das war wirklich ein Schock!! Was sollte das nur bedeuten??
Im Gespräch mit anderen kam die Idee auf, die eine Muschelhälfte meinem Maskottchen (das während des Weges den Namen von Schwester Hildegard in Jaimee änderte) zu schenken. Gut. Beim Rumüberlegen, wie ich die Muschelhälfte wohl befestigen könnte, sagte mein Mitpilger Selim plötzlich
„Das sind Engelsflügel“.
Ja, tatsächlich! Erkennt ihr es auf meinem Avatar?? Jaimee mit Engelsflügeln. Sooooo schön 🥰
Jetzt hab ich halt vorerst keine Muschel. Was solls. Mir wird schon zur rechten Zeit eine über den Weg laufen 👣👣👣


Ich wünsch euch allzeit einen buen camino.

Christine
There is a crack, a crack in everything
That′s how the light gets in

Leonard Cohen
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altbrummi
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Re: Sehnsucht nach dem Camino Frances

Beitrag von altbrummi »

Danke tsetse.
Da hab ich ja rechtzeitig gefragt und noch eine kleine Übersicht von deinem camino erhalten. Danke.
Wichtig ist und war dass du einen schönen Camino hattest von dem du sicher noch eine Zeitlang zehren kannst.
Alfred
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Simsim
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Re: Sehnsucht nach dem Camino Frances

Beitrag von Simsim »

Danke Christine, für Deine schönen Zeilen!
Du hast mich vor ein paar Wochen motiviert, nach einer Ehrenrunde von los Arcos zurück in die Pyrenäen und dann rüber ins Vallée d'Aspe über den Somport und dann doch nochmal auf den Frances zu gehen und die Landschaft zu genießen. Und es stimmt, diesmal hat es mir besonders die Rioja angetan, denn die Weinfelder leuchteten phantastisch in ihren Herbstfarben vor der Bergkulisse....
Und die tiefe Stille dann in der Meseta....
Bin aber nur bis Fromista gekommen. Ein sehr erschütterndes Erlebnis hat mich umgehauen, nachdem ich nach vielen nassen und kalten Nächten im Freien eh schon erschöpft war.
Jetzt liege ich draußen bei Saint-Jean-Pied-de-Port und es sind über 20 Grad....am späten Abend.....
Allerdings wird meine Sehnsucht nach dem Camino wohl kaum jemals aufhören...
andrea+wildgans
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Re: Sehnsucht nach dem Camino Frances

Beitrag von andrea+wildgans »

Danke, Christine, für Deinen "Bericht", der mich sehr berührt hat!!! Und ich kenne solche Zeiten und Zeichen, wo aus etwas "Zerbochenem" etwas Neues wird... und dann steht man ein wenig sprachlos und erstaunt davor...
Mögen Deine Erfahrungen auf dem camino in einer guten Weise in Dir nachwirken und lebendig bleiben!
Andrea
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