Liebe Leute,
Alfred hat mich vorhin gefragt, ob ich eigentlich wieder zu Hause bin – ja, klar, bin ich

, und ich möchte mich etwas verspätet gerne bei euch allen zurückmelden!
Letztendlich habe ich mein Zugticket für die Rückfahrt storniert und bin von Leon aus mit dem Flixbus nach Hause gefahren. Sooo schrecklich wie befürchtet war das gar nicht.
Und habe ich immer noch Camino-Sehnsucht? Nein, und ich werde vorerst auch nicht nach Santiago weitergehen.
Der Weg von St. Jean bis Leon war so unbeschreiblich, ich bin mehr als satt von all den Erlebnissen und Erfahrungen. Es gab so vieles zum Staunen, ich fühlte so viel Demut und Dankbarkeit - es war überwältigend.
Von den Etappenlängen, Herbergen oder Kosten werde ich nicht berichten, denn das Messbare ist eh ohne Bedeutung. Und für das andere finde ich keine Worte…
Ein bissl was will trotzdem erzählt sein:
Die Schönheit der Landschaft hat mich umgehauen. Die sanften Hügel, einer hinter dem anderen, mit der unglaublichen Anzahl von Gelb- und Brauntönen und ein bissl grün dazwischen war zum Niederknien. Und es nahm kein Ende, hinter jeder Kurve, jeder Steigung war es noch atemberaubender. Ich frag mich, wo ich 2014 meine Augen hatte, warum ich das damals nicht gesehen habe?
Von einer scheinbar kleinen, für mich allerdings entscheidenden Erkenntnis möchte ich euch kurz berichten: ich habe in den letzten 5, 6 Jahren den Familienstand, den Wohnort und den Beruf gewechselt. Zu Beginn des Weges habe ich in den Gesprächen mit Mitpilgern immer weit ausgeholt und lange erzählt, was war. Nach wenigen Tagen hat mich das gestört, ich habe damit aufgehört. Denn:
Nicht das, was war ist wichtig, sondern das, was ist, und vor allem das, was kommt.
Mein unbewusstes innerliches Hadern mit den Veränderungen ist vorbei, ich fühle mich jetzt bereit für die weiteren Überraschungen des Lebens.
Und ein Erlebnis: kurz hinter Burgos habe ich mich zur Pause auf meinen Rucksack gesetzt, und dabei ist meine Muschel zerbrochen. Meine geliebte Agnes, die ich 2012 in Aumont-Aubrac gekauft hatte und die mich seither so viele tausende von Kilometern treu begleitet hatte! Das war wirklich ein Schock!! Was sollte das nur bedeuten??
Im Gespräch mit anderen kam die Idee auf, die eine Muschelhälfte meinem Maskottchen (das während des Weges den Namen von Schwester Hildegard in Jaimee änderte) zu schenken. Gut. Beim Rumüberlegen, wie ich die Muschelhälfte wohl befestigen könnte, sagte mein Mitpilger Selim plötzlich
„Das sind Engelsflügel“.
Ja, tatsächlich! Erkennt ihr es auf meinem Avatar?? Jaimee mit Engelsflügeln. Sooooo schön

Jetzt hab ich halt vorerst keine Muschel. Was solls. Mir wird schon zur rechten Zeit eine über den Weg laufen


Ich wünsch euch allzeit einen buen camino.
Christine