Über den Bonifatiusweg hört man ja kaum etwas.
Die Strecke geht von Mainz bis Fulda über 173km, ich bin aber in Frankfurt gestartet.
Als blutiger Anfänger fand ich den Weg durchaus anspruchsvoll, für die alten Hasen hier sicher ein Klacks.
Der Weg führt durch sehr abwechslungsreiche Gegenden und Landschaften.
Die Etappen sind relativ gut zu planen, für den Anfang hab ich mir sehr kleine Etappen ausgesucht,
die kleinste 13km und dann langsam gesteigert.
Die längste Etappe waren 27km, allerdings nur weil ich mich verlaufen hab.
Eigentlich ist der Weg sehr gut ausgeschildert, aber ich war in Gedanke und hab nicht aufgepasst.
Das war definitiv zu viel, ich konnte danach keinen Meter mehr laufen und bin am nächsten Tag ein Stück mit dem Bus gefahren ( nur 3 km),
weil einfach nichts mehr ging.
Die Infrastruktur ist besonders im letzten Drittel sehr schwach.
An einem Tag ist mir das Wasser ausgegangen weil in sämtlichen Käffern durch die ich gekommen bin kein einziger Laden oder Gaststätte existierte.
Nicht einmal eine Tanke. Im letzten Kaff kurz vorm Verdursten hat mit eine freundliche Lady zwei Fläschchen Wasser geschenkt und mir das Leben gerettet.
Die schlimmste Etappe war zwischen Schotten-Burkhards und Herbstein-Steinfurt. Kilometerlang bergauf, kein einziger Ruheplatz mit Dach (es hat geregnet wie aus Eimern), und auf der gesamten Strecke kein Laden oder Cafe zu finden. Danach war ich ziemlich am Ende.
Dabei sind "bloß" etwa 550 Höhenmeter zu überqueren.
Da hab ich schon ein bisschen Schiss vor der ersten Etappe des Camino Frances.
Ich habe sehr gute Erfahrungen auf dem Weg gemacht und sehr schöne Begegnungen gehabt.
Andere Pilger hab ich zwar nicht getroffen, bin aber oft angesprochen worden und hatte nette Gespräche.
Ich war wirklich erstaunt über die Herzlichkeit die einem als Pilger entgegengebracht wird.
Mal hab ich einen Kaffee übern Zaun bekommen von einem Expilger, ein andermal saß ich erfroren und durchnässt an einer Bushaltestelle
und bin spontan eingeladen worden mich im benachbarten Backhaus aufzuwärmen. Ein Busfahrer wollte kein Geld von mir und hat mich kostenlos gefahren. In einer Pension bin ich aufgenommen worden wie ein Familienmitglied. Ich habe unglaublich viele herzliche Menschen getroffen.
Im Schnitt konnte ich für 35-40 Euro pro Nacht unterkommen mit Frühstück, darüber kann man glaub ich in Deutschland nicht meckern.
Die Runde war ja mehr oder weniger eine Generalprobe für den Jakobsweg den ich nächstes Frühjahr laufen möchte.
Aber ich muss sagen, die Runde war viel mehr als nur eine Generalprobe. Der Bonifatiusweg ist toll und der Moment der Ankunft
am Dom von Fulda schon ein ganz besonderer Moment.
Ich kann die Route uneingeschränkt empfehlen. (Auch für Anfänger mit Übergewicht.