Gendern oder nicht Gendern?

Hier darf geschnattert werden. Alles was sonst nirgendwo reinpasst
Gitte
Beiträge: 161
Registriert: 18. Jul 2019, 22:28

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Gitte »

Ich lache. Sorry, falls es gar kein Gag war.
Das Beispiel finde ich einfach nur erheiternd und bereichernd.
Benutzeravatar
TimCamino
Beiträge: 331
Registriert: 25. Nov 2023, 19:18

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von TimCamino »

Gitte hat geschrieben: ↑1. Okt 2026, 16:07 Ich lache. Sorry, falls es gar kein Gag war.
Das Beispiel finde ich einfach nur erheiternd und bereichernd.
Es war eigentlich nicht als Witz gemeint. :-) Aber es ist ein schönes Beispiel. Wenn man in der Sprache Probleme sehen oder schaffen möchte, wird das auch gelingen. Wenn nicht, dann nicht. ;-)
Gitte
Beiträge: 161
Registriert: 18. Jul 2019, 22:28

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Gitte »

TimCamino hat geschrieben: ↑1. Okt 2026, 16:11
Gitte hat geschrieben: ↑1. Okt 2026, 16:07 Ich lache. Sorry, falls es gar kein Gag war.
Das Beispiel finde ich einfach nur erheiternd und bereichernd.
Es war eigentlich nicht als Witz gemeint. :-) Aber es ist ein schönes Beispiel. Wenn man in der Sprache Probleme sehen oder schaffen möchte, wird das auch gelingen. Wenn nicht, dann nicht. ;-)
Verstehe!
Benutzeravatar
Frau Holle
Beiträge: 2747
Registriert: 14. Jul 2019, 14:14
Wohnort: Nordsee

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Frau Holle »

Pooh_der_baer hat geschrieben: ↑1. Okt 2026, 15:46 Hier werden die Überschriften vermischt.

Bin verwundert, wie die Überschrift sich in obiger Antwort verändert hat. Zitierte SImone mit anderer Überschrift als die meisten
Überschriften zuvor.
Das liegt daran, dass ich nur im ersten Beitrag den Titel geändert habe. Die anderen tragen noch den alten Namen und werden so mit zitiert
u l t r e i a
Flipper
Beiträge: 706
Registriert: 14. Mär 2023, 14:27

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Flipper »

TimCamino hat geschrieben: ↑1. Okt 2026, 16:11 Es war eigentlich nicht als Witz gemeint. :-)
Schade, ich hatte mich auch schon über den gelungenen Scherz gefreut 😁
Poorboy
Beiträge: 119
Registriert: 4. Apr 2021, 14:43

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Poorboy »

Hi @,
Das ist ein sehr interessanter Thread. Vielen Dank für die vielen interessanten Beiträge, die ich sehr bereichernd finde.
Wir befinden uns in einer sehr interessanten Zeit.
Gendern oder nicht Gendern?
Ich bin jetzt 50 Jahre alt, männlichen Geschlechts und auf dem Dorf aufgewachsen. Ich habe eine Ausbildung in einem klassischen Handwerksberuf gemacht. Da war schon alles recht klassisch (und der Ausdruck ist ironisch gemeint): es gab kaum Frauen im Team, die wenigen wurden oft verbal und auch körperlich sexuell belästigt. Wer nicht mitgemacht hat, der hat zumindest zugeschaut und nicht eingegriffen.
Nun ja, seit dem bin ich einen weiten Weg gegangen. Ich bin Erzieher und arbeite mit Kindern von 1-6 Jahren und arbeite überwiegend mit Frauen in einem sog. Frauenberuf.
Es ist schon spannend was sich so alles verändert und wie gross das Geschrei ist. Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann! - Wo kommen wir denn da hin?
Man muss sich mal vor Augen führen wie groß der Faktor Sozialisation bei der Enwicklung der Geschlechtsidentität ist. Sprache ist so wichtig! Ich finde es ist höchste Zeit, dass wir Sprache überdenken. Dass das noch eckig, ungewohnt und umständlich wirkt, ist normal und Übergänge sind immer so. Trotz allem ist unser bisheriges System so nicht mehr haltbar. Ich schäme mich manchmal dafür was ich früher stillschweigend geduldet habe. Ich kann keinen alten James Bond Film mehr anschauen weil die so unerträglich sexistisch sind. Ich weiss dass Mädchen nur deshalb schlechter in Mathe sind weil ihnen erzählt wird dass sie es nicht können. Wenn ein Mädchen auf einen Baum klettert sagen wir es soll vorsichtig sein weil es gefährlich ist und lieber wieder runterkommen. Ein Junge wird ermutigt und aufgefordert noch höher zu klettern.
Und alles was nicht Junge oder Mädchen ist? Es ist gar nicht so selten wie man denken könnte, dass ein Kind nicht klar binär einem Geschlecht zugeordnet werden kann. Es wurde nur bisher immer totgeschwiegen.
Ich mache mich da selbst auf den Weg und mache dabei viele Fehler und muss verhärtete Denk- und Verhaltensmuster bei mir überwinden. Ich glaube wir sollten keine Angst vor Veränderung haben. Veränderung ist ein grundlegendes Prinzip des Lebens. Ich bin fest davon überzeugt dass wir als Menschheit den nächsten Evolutionsschritt nur schaffen, wenn wir Gleichberechtigung erreichen. Und da geht es neben Frau/Mann/Divers auch um arm/reich, schwarz/weiss, Bildung, Demokratie und so vieles mehr.
"Afoot and light-hearted I take to the open road, healthy, free, the world before me, the long brown path before me leading wherever I choose."
- Walt Whitman
Benutzeravatar
Simsim
Beiträge: 4419
Registriert: 23. Okt 2019, 11:33

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Simsim »

Ich habe einen "Männerberuf" (Schreinerin), war auf der Walz (1985 waren wir 400 männliche und 15 weibliche Wandergesellen), später hatte ich meine Firma.
Ich habe keinerlei Erinnerung an Sexismus mir gegenüber, fühlte mich aber auch schlicht und einfach selbstverständlich in meinem Beruf, nicht als Exotin. Habe mich mit den Kollegen zumeist bestens verstanden.

Ich glaube nicht, dass man unbedingt sein Geschlecht an sich in Frage stellt, wenn man sich z.b. nicht "als Frau" fühlt, sondern man hat mit der zugewiesenen Rolle nix am Hut.
Zum Glück wurde ich nicht von meinen Eltern als Mädchen in die typische Rolle gezwungen. Fühlte mich aber immer nichtsdestoweniger weiblich. Nur eben auf meine Weise. Daher brauch ich persönlich die allgemeine Genderdsprache nicht, sondern nutze die weibliche Form der Rede, wenn ich es für richtig halte.
Monoeagle
Beiträge: 413
Registriert: 26. Feb 2020, 00:26

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Monoeagle »

Poorboy hat geschrieben: ↑2. Okt 2026, 07:26 Ich mache mich da selbst auf den Weg und mache dabei viele Fehler und muss verhärtete Denk- und Verhaltensmuster bei mir überwinden. Ich glaube wir sollten keine Angst vor Veränderung haben. Veränderung ist ein grundlegendes Prinzip des Lebens. Ich bin fest davon überzeugt dass wir als Menschheit den nächsten Evolutionsschritt nur schaffen, wenn wir Gleichberechtigung erreichen. Und da geht es neben Frau/Mann/Divers auch um arm/reich, schwarz/weiss, Bildung, Demokratie und so vieles mehr.
Wobei es einen Unterschied gibt zwischen Gleichberechtigung, Chancengleichheit und Ergebnisparität.
Und die werden immer lustig durcheinander gewürfelt und am Ende verstehen sich die Parteien nicht.

Gleichberechtigung: Du darfst am Wettkampf teilnehmen und unter denselben Regeln antreten wie andere.
Chancengleichheit: Die Rahmenbedingungen sollen so gestaltet sein, dass nicht z. B. Herkunft, Geschlecht oder Vermögen den Zugang von vornherein unnötig bestimmen.
Ergebnisgleichheit / Parität: Am Ende sollen bestimmte Gruppen ungefähr gleich häufig vertreten sein.

Ich denke die beiden letzten sind Utopie, egal als was man sich identifiziert.
2023: Trier -> Vézelay | Limovicensis | GR10 -> Bidarry -> Bayonne | CdN | CdM | CI | CFM
2024: Koblenz -> Trier
2025: CF | CFM | Köln -> Bingen
2026: CTrias
Benutzeravatar
Igor1961
Beiträge: 74
Registriert: 9. Apr 2022, 10:17

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Igor1961 »

Gendern ist, wenn in Sachsen ein Boot umkippt. Alles andere ist ein Fall für spezialisierte Ärzte und Psychologen. Die Deutsch Sprache ist heilig! Russische Literaten haben Deutsch gelernt, nur, weil sich in der deutschen Sprache Sachverhalte präziser ausdrücken lassen, als in Russisch, Englisch oder Französisch. Ich bin es leid, mir von irgendwelchen verstrahlten Menschen vorschreiben zu lassen, wie ich zu reden habe. Ergo: NICHT GENDERN!
2016 Leon-Santiago
2017 Sarria-Santiago
2019 Irun-Santander
2018, 2022 und 2023 Porto-Santiago
Flipper
Beiträge: 706
Registriert: 14. Mär 2023, 14:27

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Flipper »

Igor1961 hat geschrieben: ↑2. Okt 2026, 17:26 Ich bin es leid, mir von irgendwelchen verstrahlten Menschen vorschreiben zu lassen, wie ich zu reden habe.
Und bist du auch bereit, im Gegenzug dafür dass dir keiner vorschreibt wie du zu reden hast, den anderen nicht vorzuschreiben wie sie schreiben sollen?
Benutzeravatar
chrisbee
Beiträge: 249
Registriert: 18. Jul 2019, 22:09
Wohnort: Frankfurt/Main

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von chrisbee »

https://taz.de/Das-Binnen-I-und-die-taz/!5166721/

Hier mal ein link zu einem alten taz-Artikel, der, wie ich finde, dieses Thema noch gut im Griff hatte.
Der Hintergrund: vor etlichen Jahrzehnten (bald nach ihrer Gründung) führte die taz im Zuge der Frauenbewegung ein Binnen-I ein und folgte damit der psycholinguistischen Einsicht, dass ein Großbuchstabe in einem Wort vom Durchschnittshirn als eine Art Stolperstein wahrgenommen wird, der, wenn er gut und gezielt eingesetzt wird, präzise auf Probleme sexistischer Sprache aufmerksam machen kann.

Soweit ich mich erinnere, war das aber alles nicht so bierernst. Und es hat ja auch Spaß gemacht. Sprache schafft Wirklichkeit und schon kleine Kniffe an der richtigen Stelle können ausreichen, um ein männliches Weltbild (in dem Frauen nur zweitrangig bzw ausgeschlossen sind) ins Wanken zu bringen.
Mein eigenes Sprachgefühl beim Lesen hat dies nicht weiter berührt, das wurde erst von der Rechtschreibreform beschädigt, die Ende des Jahrtausends kam. Ich stolpere immer noch hoffnungslos über Worte wie „Schifffahrt“, weil sich 3 f für mich einfach nur falsch lesen und korrigiert gehören. Meine Verunsicherung hat im Laufe der Jahre sogar noch zugenommen, immer häufiger musste ich nachschlagen, wie etwas „richtig“ geschrieben wird.

Weswegen ich auch bei der jetzigen Genderwelle skeptisch bin: die hat für mich längst das Stadium der „Verschlimmbesserung“ erreicht. Wer da plötzlich alles „sichtbar“ sein will bzw sprachlich „inkludiert“ gehört, weil sich das - moralisch gesehen - angeblich so gehört, instrumentalisiert meiner Meinung nach ein Allgemeingut, nämlich die allgemein verständliche Sprache, für spezifische, vor allem identitäre Interessen. Kein Wunder, dass alle möglichen Sternchen, Doppelpunkte usw. bei vielen Leuten für Hohn und Spott sorgen.

Denn leider stimmt es ja auch, dass neue Sprachreglungen von einem speziellen „gehobenen“ Mittelklassenmilieu (sagt die sozialwissenschaftliche Forschung) versucht werden durchzusetzen. Es ist eine durchweg gut gemeinte Programmatik, die alle mitnehmen will, sie gilt aber mindestens genauso den eigenen Interessen. Man stellt auf diese Weise klar, wie progressiv, weltoffen, moralisch sauber und was weiß ich nicht alles man ist, wenn man sich dafür ins Zeug legt. Es ist auch Arbeit an der eigenen Bedeutung.

Und in diesem Zusammenhang würde ich leider auch sagen, dass eine soziale bzw Gemeinwohlorientierung eher auf der Strecke geblieben ist. Denn eine mit lauter „Stolpersteinen“ gespickte Sprache ist für das Durchschnittshirn tatsächlich nicht machbar und erst recht nicht für jene mindestens 20 Prozent der Bevölkerung, die nur rudimentär bzw überhaupt nicht Lesen und Schreiben kann. Das regelmäßige Monitoring von Viertklässlern zeigt mit erschreckender Regelmäßigkeit einen stabilen Abwärtstrend des Lese- und Schreibvermögens. Meiner Meinung nach wären es aber vor allem diese Kreise, die Unterstützung, sprich Inklusion und Sichtbarkeit verdienten, um eine gewisse Chancengleichheit in dieser Gesellschaft sicherzustellen.

Was für mich jedoch nicht bedeutet, das Gendern bleiben zu lassen. Aber als Gebot?

chrisbee
Benutzeravatar
Camineiro
Beiträge: 2711
Registriert: 15. Jul 2019, 11:53
Wohnort: südl. Münsterland

Re: Gendern oder nicht Gendern?

Beitrag von Camineiro »

Diese Stolperfallen (Schifffahrt, Asfalt, Delfin, Ketschup etc.) übersehe ich geflissentlich.

Aufgrund der Gnade der frühen Geburt ist es mir nämlich offiziell gestattet, so zu schreiben wie ich will. 🙂
Jubilado

Ulrikaweg 2021/22
Ostfriesland-Camino 2023/24
S:t Olavsleden 2024
Antworten